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Geschichtliche Entwicklung des beruflichen Schulwesens im Schwalm-Eder-Kreis

(Einzugsgebiet Altkreis Fritzlar-Homberg)

Die Geschichte des berufsbildenden Schulwesens im Kreisgebiet Fritzlar-Homberg geht bis in das Jahr 1826 zurück. In diesem Jahr gründete der Kantor Reinhard aus Obervorschütz auf dringende Vorstellungen der Zünfte der Stadt Gudensberg die erste „Handwerkerschule". Sie wurde in ihren Anfängen von 15 bis 20 Handwerkslehrlingen besucht. Als Schulraum diente die Privatwohnung des Kantors Reinhard. Die Schule war eine Privatschule. 1831 wurde sie auf Bitten des Oberzunftamtes in Gudensberg durch das kurfürstliche Vorsteheramt der Handwerksschulen in Kassel in eine öffentliche Schule erhoben und wurde nun auch finanziell unterstützt.


Diese Schule wurde 1852 wieder geschlossen. Das Landratsamt Fritzlar berichtet hierüber an die Regierung: „Ein Haupthindernis für die Handwerkerschule liegt in der Ungunst der meisten Handwerkslehrmeister gegen diese Schule, denn sie betrachten solche als eine Last und den Zeitaufwand, welche ihre Lehrlinge dem Besuch des Unterrichts widmen müssen, als eine Beeinträchtigung ihres Handwerksbetriebes."

Die Stadt Homberg gründete im Jahre 1833 ebenfalls eine Handwerksschule und stellte einen Raum zur Verfügung. Die Kosten der Schule wurden durch die Einschreibung in die Handwerksrollen - 1 Taler und 10 Groschen - , die Lossprechung - 1 Taler und 8 Groschen - , ein Schulgeld für Lehrlinge - 7 Taler - und einem Zuschuss der Handwerksschulkasse in Kassel aufgebracht. 1873 wurde diese Schule aufgelöst. An ihre Stelle trat die staatlich genehmigte gewerbliche Fortbildungsschule.

Weitere Schulen der ersten Form bestanden im Kreisgebiet noch an den Orten Borken (1850 - 1868) und Niedenstein (1850 - 1868). In der Stadt Fritzlar wurde eine Handwerksschule nachweislich nicht errichtet und durch die Stadt noch 1868 abgelehnt. Seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nahmen sich die Länder der Aufgaben, des beruflichen Schulwesens an. In Preußen hatten vielfach die größeren Städte die Trägerschaft der Fortbildungsschulen übernommen.

Die erste Fortbildungsschule in einem preußischen Landkreis war die gewerbliche Fortbildungsschule in Fritzlar, die 1895 zunächst auf freiwilliger Basis, seit 1905 als Pflichtschule bestand. Berufspädagogisch ausgebildete Lehrer gab es noch nicht. Der Unterricht wurde in den Anfängen von Volksschullehrern im Nebenamt erteilt.

Am 10. November 1924 beschloss des Kreistag Fritzlar endgültig, die Trägerschaft für die Fortbildungsschulen im Kreis zu übernehmen. Der Beginn des Unterrichts wurde auf den 1. Dezember 1924 festgesetzt. Lehr- und Lernmittel sollen, wenigstens für die den Unterricht erteilenden Lehrkräfte, vom Kreis beschafft werden, der sich von dem Staat einen Zuschuss erhofft.

Im Jahre 1932 wurden die beiden Landkreise Fritzlar und Homberg aufgelöst und zum Kreis Fritzlar-Homberg zusammengeschlossen. Schon 1931 unterrichtete in der gewerblichen Fortbildungsschule in Homberg der erste ausgebildete Gewerbelehrer, Martin Walther - Fachrichtung Metall. In Fritzlar begann ebenfalls kurz danach ein Gewerbelehrer, Fritz Grede - Fachrichtung Holzgewerbe - seine Tätigkeit. In den folgenden Jahren waren Fortbildungsschulen in den Orten Fritzlar, Gudensberg, Niedenstein, Homberg, Besse, Wabern, Zwesten, Raboldshausen, Remsfeld, Sipperhausen, Dillich und Jesberg. Die Schülerzahl betrug im Jahre 1936 bereits die stattliche Zahl von 1.185, gegliedert nach gewerblich, kaufmännisch und ungelernt. Im Jahre 1938 unterrichteten bereits 9 hauptamtliche und 15 nebenamtliche Lehrer. Neben der gewerblichen und kaufmännischen Abteilung gab es noch die ländliche Fortbildungsschule in den Orten Fritzlar, Dissen, Gilsa, Grifte, Kirchberg, Kleinenglis, Obervorschütz, Schlierbach, Wabern, Wehren und Zwesten mit 198 Schülern im Winterhalbjahr 1925. Im Sommerhalbjahr entfiel der Unterricht. Eine Fortbildungsschule für Mädchen wurde in diesen Jahren von 32 Schülerinnen besucht. Am 1. April 1939 wurden im Kreisgebiet an mehreren Orten Mädchenberufsschulen mit hauptamtlichen Lehrerinnen eingerichtet. Zehn Jahre später wurde die Fachrichtung Landwirtschaft mit einem hauptamtlichen Lehrer an drei Schulorten errichtet.

Im Jahre 1947 unterrichteten 10 hauptamtliche und 16 nebenamtliche Lehrer in 59 Klassen 1.697 Schüler. Ab 1951 unterrichtet die landwirtschaftliche Berufsschule wie die anderen Abteilungen der Kreisberufsschule erstmalig auch im Sommerhalbjahr.

Von 1958 bis 1960 wurde in Homberg ein Berufsschulgebäude errichtet, der erste fertiggestellte Bauabschnitt eingeweiht und für den Unterricht freigegeben. Der zweite Bauabschnitt, die hauswirtschaftlichen Räume, wurde bereits 1962 fertiggestellt und bezogen.

Zu dieser Zeit bestanden neben dem Hauptschulort Fritzlar Außenstellen in Homberg, Borken und Gudensberg. Am Schulort Fritzlar wurde 1963 ein Aufbauzug zum Erwerb der Fachschulreife im Abendunterricht eingerichtet. Die erste Handelsschulklasse (heute zweijährige kaufmännische Berufsfachschule) wurde 1966 am Schulort Homberg eröffnet.

Am 19. April 1968 wurde der Grundstein für den Neubau der Berufsschule in Fritzlar gelegt, dessen erster Bauabschnitt am 20. Oktober 1970 eingeweiht wurde. Im zweiten Bauabschnitt wurden die Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht, die Fachoberschulklassen und die Klassen der kaufmännischen Teilzeitberufsschule untergebracht. Die Einweihungsfeier fand am 12. Juli 1972 statt und wurde verbunden mit der Verabschiedung in den Ruhestand des Schulleiters der Kreisberufsschule Fritzlar-Homberg Herrn Oberstudiendirektor Bernhard Reineck. Eine bauliche Erweiterung erfolgte von 1980 bis 1982 im Schulort Homberg. Eine Vergrößerung um 1.420 Quadratmeter wurde für über 5,5 Millionen DM erreicht.

Die vorläufig letzte Baumaßnahme war die Errichtung eines Gebäudes für das Berufsfeld Holztechnik, das im Jahr 2004 eingeweiht wurde. Von den Investitionskosten in Höhe von 586.000 € finanzierte die Schule durch Eigenleistungen, durch Sachspenden der Tischler-Innung sowie durch Unterstützung des Fördervereins 82.000 € selbst.

Heute unterrichten 120 hauptamtliche, nebenamtliche und nebenberufliche Lehrkräfte sowie 9 Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst in 100 Klassen 1.854 Schülerinnen und Schüler. In diesen Zahlen sind die Schüler, die in den beiden Jugendheimen Sozialpädagogisches Zentrum Wabern und Stiftung Beiserhaus Rengshausen beschult werden, enthalten.

(Verwendete Literatur: Chronik und Schulakten der Beruflichen Schulen in Fritzlar und Homberg sowie Aufzeichnungen der Schulleitung)