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Theateraufführung „Heiles Deutschland“ in Homberg

foerderunghttp://www.demokratie-leben.deEinen ganz anderen Politikunterricht als sonst erlebten acht Klassen der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule in  Homberg am Donnerstag, dem 1. März 2018. Die Theatergruppe Bühnengold aus Berlin gastierte in der Aula in Homberg mit ihrem Stück „Heiles Deutschland“. Auszubildende sowie Schülerinnen und Schüler aus den Klassen der Landmaschinenmechaniker, Kraftfahrzeugmechaniker, Friseure, Metallbauer, Kaufleute für Büromanagement, Maler, der Fachoberschule und Berufsfachschule sahen sich gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern das Zwei-Personenstück an. Das Stück handelte von der Frage „Was ist typisch deutsch?“ und davon, welche extremen politischen Einstellungen Menschen entwickeln können. 

Die Handlung: 

Die Geschwister Melanie und Lukas besuchen die 8. Klasse eines Gymnasiums. Melanie singt die deutsche Nationalhymne und ihr Lehrer fragt sie, ob sie dabei Stolz empfinde. „Ich weiß nicht genau, irgendwie ist das komisch. Richtig mitsingen, geht nur bei der Fußball-WM“. Sie soll einen Aufsatz schreiben, was typisch deutsch ist und beginnt eine Suche im Internet zur Geschichte von Deutschland. Ihr Bruder Lukas hilft ihr bei der Recherche. Dabei kommen Stichwörter wie Erster und Zweiter Weltkrieg, Hitler, Hakenkreuz, Holocaust, Atombombe, Mauerfall und Flüchtling an die Pinnwand. Untermalt von bedrohlicher Musik, Detonationen und Bombenalarm empfinden die Geschwister die Angst nach, die im Hitlerdeutschland herrschte und den Hass, den Menschen entwickelt haben. Melanie ist entsetzt von der Menschenfeindlichkeit und Lukas entwickelt und Wut und Verständnis für den Griff zur Waffe. Sie versetzen sich in Täter und Opfer der Geschichte hinein.

Nach Studentenbewegung, 11. September, NSU und Pegida in der Gegenwart angelangt, geraten sie in heftigen Streit, als ihr Bruder eine abwehrende Haltung gegenüber Flüchtlingen und Migranten vertritt und dabei Hitler parodiert, während sie für Toleranz und Menschenwürde eintritt. Es folgt eine Szene, in der gegensätzliche politische Einstellungen zu den Themen Religion, Integration und Toleranz aneinandergereiht werden. Schließlich ändert Melanies Bruder plötzlich seine politische Einstellung, er wird zum Salafisten. Das Ende bleibt offen.

Für ihre hervorragende schauspielerische Leistung erhielten die beiden Schauspieler viel Applaus. In einer anschließenden Auswertungsrunde durften die Zuschauer Fragen stellen und Meinungen äußern.  

Wie sich zeigte, haben sich viele Zuschauer durch das Stück sehr berührt, aber auch durch verschiedene Szenen provoziert gefühlt. Die einen, als aus dem Koran vorgelesen wurde. Die anderen, als sich Melanie von Zuschauern ein Kopftuch umbinden ließ.   

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 der Fachoberschule waren zum Beispiel alle der Meinung, dass die Schauspieler ihre Rollen sehr überzeugend gespielt haben. Das Stück hat sie, nicht zuletzt durch die Soundkulisse, zum Teil emotional sehr bewegt. Einige von ihnen meinten jedoch, die bisherige Rolle Deutschlands in der Geschichte sei zu einseitig negativ dargestellt worden. Sie kritisierten, dass das Ende offenblieb und dass es durch die Vielzahl der dargestellten Meinungen schwer war, eine Botschaft des Stückes abzuleiten.

Wir denken jedoch, die Botschaft des Stückes ist angekommen: Die Gegenwart verstehen wir nur, wenn wir unsere Vergangenheit kennen. Und: Keiner kann sich in der heutigen Zeit aus dem aktuellen Zeitgeschehen heraushalten, jeder muss eine Position beziehen. Und ganz wichtig: Niemand sollte schweigen bei Alltagsrassismus und Menschenfeindlichkeit. 

Andrea Meixner (Schulsozialarbeiterin) und Kerstin Richter-Wiegand (Lehrkraft)

12. März 2018